Erste Freizeit selbst gestaltet
JuDy-Treffen im Juli 1998 in Debstedt
Die Teilnehmer
Die erste JuDy-Freizeit war schon etwas ungewöhnlich. Keiner wußte, was da eigentlich passieren sollte. Es gab zwar vorab ein Programm, und wir konnten kostenfrei im DRK-Internat in Debstedt wohnen, was schon einmal gute Voraussetzungen waren. Und im nachhinein war es eine richtig gute Freizeit. Teilgenommen haben acht Dystonie-Betroffene, davon waren zwei Rollifahrer, die mit ihren Eltern kamen. Altersmäßig passte es auch sehr gut - von 14 bis 36. Es ging von Anfang an sehr locker zu. Am Freitag wurden wir von Didi Jackson und H.G. Eilers empfangen, machten es uns in den Einzelzimmern, wo sonst die Internatsschüler schlafen, gemütlich und lernten uns abends bei Tischfußball, Billiard und Tischtennis und in einer gemütlichen Gesprächsrunde näher kennen. Die Wissenschaft kam auch nicht zu kurz.
Am Sonnabend wurde mit Dr. Dreiss, der ja dort zu Hause ist, und Dr. Oberwittler über Dystonie gesprochen und Wolfgang Paschke vom Arbeitsamt Bremerhaven sprach über ein für uns sehr wichtiges Thema: Probleme am Arbeitsplatz oder Berufsfindung überhaupt. Bei mir ist es so, daß ich beinahe mit meinem Chemiestudium fertig bin und mir schon gewisse Sorgen mache, wie ein Arbeitgeber mit meinem Torticollis umgehen wird. Dieses Thema interessierte alle sehr, und W. Paschke kam sogar am Sonntag noch einmal ins Internat, um uns weitere gute Tips zu geben für unsere Berufsmöglichkeiten.
Freizeit war ja das Thema, und auch diese Seite wurde nicht vernachlässigt. Die größte Schleuse Europas in Bremerhaven z. B. war ein Highlight, oder Lenkdrachenfliegen auf der Wiese beim Internat. Dieses Unternehmen war zwar nicht so erfolgreich, obwohl Didi Jackson läuferische Qualitäten bewies, doch ich konnte den Drachen leider nur für höchstens zehn Sekunden in "gewaltiger" Höhe halten, was jedenfalls zur Belustigung aller beitrug. Hier möchten wir Sabine Meier von Allergan noch einmal danken, nicht nur für den Lenkdrachen, sondern auch für die Sweatshirts mit dem neuen JuDy-Logo; jeder bekam eines.
Am Sonntag, nach wiederum reichlichem Mittagessen - die Verpflegung war super, ein Dankeschön an Rolf Voigt, den immer fröhlichen Internatsleiter, zogen wir dann alle wieder unserer Wege.
Die Freizeit sollte eine Zeit der Begegnung sein, und die Gemeinschaft stand eindeutig im Mittelpunkt. Wir haben gespielt, gegrillt, diskutiert, gelacht. Wir haben neue Freunde gefunden, die alle ähnliche Probleme mit einer Dystonie haben; wir haben mehr über das Krankheitsbild Dystonie erfahren; wir wissen jetzt durch die professionellen Tips von Hans Georg Eilers, wie wir uns bewerben oder mit Ämtern umgehen können. Wir waren wie eine große Familie, und Dr. Dreiss in seiner lebendigen Art hat uns mit seinem ausgeprägtem Redefluß und durch seine freudige Art in seinen Bann geschlagen. Am Schluß waren wir uns einig: das möchten wir wieder machen in Debstedt oder auch anderswo.
Jens Reichel
erschienen in der DYSTONIE Aktuell Nr. 9 im Herbst 1998



Die Teilnehmer