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Über den Mythos der sog. "sensorischen Tricks" bei Patienten mit Dystonie

von Markus Naumann

Dystonien sind grundsätzlich unwillkürliche Bewegungen, welche aber durch äußere Faktoren wie z. B. Stress, emotionale Anspannung und auch körperliche Aktivität verstärkt werden können. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch auch das interessante und bislang nur wenig verstandene Phänomen, dass die Berührung bestimmter Hautareale wie z. B. des Kinns oder der Augenregion beim Tortikollis bzw. Blepharospasmus-Patienten zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik und Nachlassen der Verkrampfungen führt. Dieses Phänomen wird als sog. "sensorischer Trick", als "Trick-Manöver" oder früher auch als "geste antagonistique" bezeichnet. Diese sensorischen Trick-Manöver sind ein wichtiges Merkmal von Dystonien und finden sich in dieser Ausprägung sonst bei keinen anderen neurologischen Erkrankungen aus dem Bereich der Bewegungsstörungen.

Am bekanntesten ist der sensorische Trick bei Patienten mit Schiefhals, bei denen allein die leichte Berührung des Kinns, der Wange, gelegentlich auch des Halses zu einer Reduzierung der dystonen Muskelverkrampfung und somit zu einer Besserung der Kopfposition führt. Häufig führt dies auch zu einer Reduzierung der damit verbundenen Nackenschmerzen. Oft wenden Patienten diesen Trick an, ohne sich über die dadurch bedingte Erleichterung für das tägliche Leben bewusst zu werden. Etwa 2/3 aller Patienten mit Schiefhals verwenden derartige Tricks.

Die Untersuchung des Wirkmechanismus sog. sensorischer Tricks ist für Dystonie-Patienten von besonderer Bedeutung, da es zum einen für das Verständnis der Entstehung dystoner Bewegungsstörungen wichtig ist, zum anderen aber das Verständnis der Wirkungsweise sensorischer Tricks zu einer Verbesserung der Langzeittherapie der Patienten führen kann und ein zukünftiger Bestandteil der Behandlungsstrategien sein könnte.


Priv.-Doz. Dr. Markus Naumann

© Deutsche Dystonie Gesellschaft (2001)


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