Die "Tiefe Hirnstimulation" bei Dystonie
Laut einer aktuellen Studie, die im November 2006 im renommierten medizinischen Journal "New England Journal of Medicine" veröffentlicht worden ist, wird erstmalig unter deutscher Leitung die erfolgreiche Behandlung schwerer Dystonien mittels "Tiefer Hirnstimulation" in einem kontrollierten Studiendesign nachgewiesen.
Die "Tiefe Hirnstimulation" hemmt die Überaktivität in bestimmten Hirnkernen, die für die Muskelverspannung bei der Dystonie verantwortlich sind. Dies geschieht über Elektroden, die mittels einer stereotaktischen Operation zielgenau im Bereich der betroffenen Nervenkerne im Gehirn eingesetzt werden und an ihre Umgebung elektrische Reize abgeben. Der elektrische Reiz blockiert die umliegenden Nervenzellen vorübergehend.
Dies ist der große Vorteil der "Tiefen Hirnstimulation" gegenüber früheren stereotaktischen Verfahren: die Nervenzellen werden nicht geschädigt und der Eingriff kann jederzeit rückgängig gemacht werden.
Die Beweglichkeit und die Lebensqualität der Betroffenen kann durch die Tiefe Hirnstimulation deutlich verbessert und auch die Medikamenteneinnahme je nach Art des Eingriffs reduziert werden.
Da das Stimulationssystem vollständig unter der Haut implantiert wird, gibt es für die Betroffenen praktisch keine Einschränkungen im täglichen Leben. Lediglich in der Nähe starker elektromagnetischer Felder müssen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, da hierdurch der Stimulator ausgeschaltet oder beschädigt werden kann.
Wie läuft die Operation ab?
Über eine stereotaktische Operation werden die Elektroden zielgenau ins Gehirn gesetzt. Hierfür muss der Kopf des Betroffenen in einem stereotaktischen Rahmen fixiert werden, damit die Zielpunkte über dieses Referenzsystem genau berechnet und angepeilt werden können. Zum Einführen der Elektroden werden lediglich zwei kleine Bohrlöcher in den Schädel gebohrt und die
Elektroden exakt platziert. Das Gehirn selber ist nicht schmerzempfindlich und der Eingriff kann daher unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden.
Wenn der Zielpunkt definiert ist, werden die Elektroden millimetergenau in das Gehirn vorgeschoben und mit einem Sicherungsmechanismus am Bohrloch fixiert. Über externe Verlängerungskabel, die aus der Kopfhaut heraustreten, werden an den folgenden Tagen nach der OP Testungen bei Bewusstsein durchgeführt.
Anschließend werden die Elektroden über die endgültigen Verlängerungskabel mit dem Impulsgeber verbunden, der unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut gesetzt wird.
Die Programmierung des Impulsgebers wird vom behandelnden Arzt durchgeführt und der Zustand mit der besten Beweglichkeit und den geringsten Nebenwirkungen gewählt. Die Betroffenen erhalten ein Handgerät, mit dem sie den Funktionszustand und auch die Batterie überprüfen können.


