Zervikale Dystonie
Zervikale Dystonie
Symptome
Die zervikale Dystonie (zervikal = den Hals-/Nackenbereich betreffend), auch bekannt als
Torticollis spasmodicus, ist gekennzeichnet durch unwillkürliche abnorme Kopfstellungen und Kopfbewegungen,
die durch überaktive Hals- und Nackenmuskeln bedingt sind. Die normale Abstimmung zwischen
einzelnen Muskeln und ihren Gegenspielern ist so gestört, dass diese Muskelgruppen fälschlicherweise
gleichzeitig aktiviert werden. Meistens kann der Kopf aus der Abweichung nicht aktiv in die normale
Haltung gebracht werden. Es gibt verschiedene Grundtypen der zervikalen Dystonie, die durch die
unterschiedliche Art des Bewegungsrhythmus und die unterschiedliche Richtung der Abweichung des
Kopfes gekennzeichnet sind: Den drehenden rotatorischen Torticollis, den zur Schulter kippenden
Laterocollis, den nach vorn auf die Brust gebeugten Anterocollis und den nach hinten überstreckten
Retrocollis. Zusätzlich kommen Verschiebungen der Kopf-Körper-Achse in verschiedenen Ebenen vor. Gelegentlich
wird die zervikale Dystonie auch von einem Schulterhochstand begleitet. Die vier verschiedene Torticollistypen
können auch kombiniert auftreten.
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Ursache
Man weiß, dass Dystonien auftreten können, wenn bestimmte Zentren im Gehirn durch Erkrankungen
geschädigt werden, beispielsweise durch Schlaganfälle, Tumore, Hirnentzündungen oder -verletzungen,
Gefäßmissbildungen oder auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente. Diese Dystonien nennt man
"symptomatisch", da ihnen eine bekannte Ursache zu Grunde liegt. Allerdings findet man bei den
meisten fokalen Dystonien - also auch beim Torticollis - keine Ursache. Das heißt aber nicht,
dass es keine gibt. In der Medizin bezeichnet man Dystonien, bei denen die Ursache unbekannt oder
unklar ist, als "idiopathisch". Das heißt soviel wie "aus sich heraus". Trotzdem sind Forschung und
Wissenschaft auf der Suche nach den wahren Gründen für die Entwicklung einer "idiopathischen
zervikalen Dystonie". Das ist bis heute noch nicht gelungen, obgleich man weiß, dass die Ursache im
Gehirn liegen muss. Die zervikale Dystonie entsteht wahrscheinlich durch eine Störung der Regelung
der Kopfhaltung im Gehirn. Ein für diese Regelung wichtiges Zentrum sind die sog. Basal- oder
Stammganglien. Das in diesen Ganglien gesteuerte System der Bewegung nennt man "extrapyramidales System"
und daher wird die zervikale Dystonie in den Lehrbüchern der Neurologie den "extrapyramidalen
Erkrankungen" zugeordnet. Was im Einzelnen jedoch in diesem System gestört ist, damit es zum Torticollis
kommt, ist nicht geklärt. Diskutiert wird über eine Reihe von auffälligen Beobachtungen bei
idiopathischen zervikalen Dystonien. So wurde nach Unfällen mit Beteiligung von Kopf, Hals und
Nacken ein gehäuftes Auftreten zervikaler Dystonien beobachtet.
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Diagnose
Klinische Untersuchungen, oft kombiniert mit elektromyographischen Ableitungen (EMG), führen zur
Diagnose der zervikalen Dystonie bzw. dem dystonen Torticollis. Ein wichtiges Merkmal aller Formen
der zervikalen Dystonie ist ein überaktiver Muskelzug des Kopfes in die falsche Richtung. Mit dem EMG
wird der Spannungszustand (Tonus) von Muskeln gemessen. Bei Torticollis-Patienten läßt sich im
Vergleich zu Gesunden mit dem EMG bereits in Ruhe in den betroffenen Muskeln ein erhöhter Tonus
nachweisen. Durch Auslösen von Dehnungsreflexen im betroffenen Muskel, bzw. über Hautreize, wird
die krankhaft gesteigerte Reflexerregbarkeit deutlich. Bei Torticollis-Patienten wurde z.B. folgendes
beobachtet: Nach willkürlicher Drehung des Kopfes in die Torticollisrichtung gegen Widerstand und nach
plötzlicher Entlastung kommt es bereits nach 0,5 - 1 Sekunde zu einer erneuten Innervation (= Weiterleitung
der von den Nerven aufgenommen Reize an die einzelnen Teile und Organe des Körpers). Bei Menschen ohne
Dystonie dauert diese Zeit bis zu 3 Sekunden.
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Behandlung
Eine wirklich dauerhafte Heilung einer zervikalen Dystonie gibt es bis heute nicht. Die Ausnahme
bilden jene symptomatischen zervikalen Dystonien, bei denen die Ursache erfolgreich behandelt werden
kann. Die am häufigsten angewandten Behandlungsmethoden bei Patienten mit zervikaler Dystonie sind:
- Lokale Injektionstherapie mit Botulinumtoxin
- Oral einzunehmende Medikamente
- Physiotherapie [Leseprobe aus DYSTONIE aktuell]
- Psychotherapie in Form von Verhaltenstherapie
- "Alternative" oder "unkonventionelle" Verfahren
- Operative Eingriffe:
Selektive periphere Denervierung
Schwächung der Muskulatur der betroffenen Region, durch Trennung einzelner Nervenfasern, die für
die Versorgung der Halsmuskeln verantwortlich sind.
Myotomie
Durchtrennung einzelner dystoner Muskeln. Diese Methode ist dann sinnvoll, wenn tiefe Halsmuskeln
betroffen sind, bei denen eine Denervierung nicht möglich ist oder mit höherem Risiko behaftet wäre.
Tiefenhirnstimulation
Behandlung von Patienten mit komplexer zervikaler Dystonie. Auf beiden Seiten werden Elektroden mit
Hilfe stereotaktischer Verfahren in das sogenannte Pallidum (Teil des Zwischenhirns) implantiert,
ähnlich der Behandlung von Patienten mit generalisierter Dystonie.
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